© 2014 by LaRenzow       IMPRESSUM    AGB

  • facebook
  • Twitter Round
  • googleplus

Kuscheln oder Ankacken – Feedbackkultur in Start Ups und Kreativfirmen

January 13, 2014

Die wenigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Start Up-Firmen und Kreativschmieden sind auf herkömmliche Weise zu ihrem Job gekommen: Annonce gesehen, Bewerbungsgespräche absolviert,  Zusage erhalten, Vertrag unterschrieben. Meist kannte man sich schon. Von früheren Jobs, von Netzwerktreffen oder über gemeinsame Bekannte. Fand der Mitarbeiter seinen Job doch über den klassischen Weg, dann sicher nicht, weil er das Formelle so liebt. Wer in Start Ups und Kreativfirmen anfängt mag es oft gern locker und informell. Bis er das erste mal zusammengestaucht wird. Erst Kuscheln, dann Ankacken. Ist das die moderne Feedbackkultur oder ist es immer noch unprofessionell und schädlich? 

 

Letzteres. Fast scheint es wie ein ungeschriebenes Gesetz in Onlinefirmen und jungen Medienunternehmen. Eine Weile haben sich alle ziemlich gern, die Arbeit macht Spaß, die Kollegen sind auch Freunde, die Atmosphäre ist entspannt. Dann gibt es an irgendeiner Stelle eine Enttäuschung und es knallt. Von ganz einfach geht die Zusammenarbeit binnen kürzester Zeit in ganz schwierig über. Aus sehr unterschiedlichen Ursachen, oft spielen persönliche Enttäuschungen eine Rolle und vielleicht auch der raue Ton, den mancher durch seine Präsenz im Netz gewohnt ist. Dabei ist in diesem Umfeld eine sachliche und respektvolle Gesprächskultur besonders wichtig. Denn gerade im kreativen Umfeld oder in sehr jungen Firmen wird oft etwas produziert, das sehr eng verknüpft ist mit der Person des Mitarbeiters. Eine gute Feedbackkultur ist überall wichtig, aber sie wird essenziell, wenn etwas ganz neu Erschaffenes, mit Emotionen besetztes und sehr Persönliches bewertet wird. Zudem tut es gerade freundschaftlichen Arbeitsbeziehungen nicht gut, wenn sie durch plötzliche Motzerei oder übergriffige Rückmeldungen auf die Probe gestellt werden. Führungskräften und Firmeninhabern fällt es aber oft schwer, den richtigen Ton zu treffen. 

 

Meistens ist es gut gemeint 

 

Feedback geben gehört zu den wichtigsten und schwierigsten Aufgaben jedes Managers. Schwierig vor Allem, wenn es nicht positiv ausfällt. Woran liegt das eigentlich? Meistens ist es ja gut, zumindest aber sachlich und konstruktiv gemeint. Feedback zu erhalten ist einer sehr vertrauten Erfahrung ähnlich, einer Erfahrung, die wir alle als Kinder gemacht haben: bewertet zu werden. Als Kinder waren wir daran gewöhnt, es gehörte zu unserem Alltag und half uns (im besten Fall), groß zu werden. Als Erwachsene wollen wir uns dieser Bewertung aber oft nur ungern aussetzen. Erst recht als arbeitende Erwachsene, die ja schließlich wissen, was sie tun und unter manchmal schwierigen Arbeitsbedingungen ohnehin schon das Beste geben. Fühlen wir uns in die Kindheitssituation zurückversetzt, reagieren wir oft auch ähnlich wie damals: kindlich. 

 

Und auch der Feedbackgeber bringt Erfahrungen mit, die dazu führen können, dass er sich im Ton vergreift. Oft wollen wir uns, wenn wir Feedback geben, ganz bewusst von negativen Erfahrungen aus der Kindheit abheben. Dann machen wir es uns in unserer Lieblingsrolle des wohlwollenden väterlichen Freundes oder der liebevollen Mutterfigur bequem. So ein Vorgesetzter kommt in Bedrängnis, wenn er doch einmal deutlich werden muss und das führt häufig dazu, dass er ins Gegenteil kippt und seine ganze Enttäuschung über dem Mitarbeiter ausschüttet. Oder er versteckt seine Kritik so gut, dass der Mitarbeiter gar nicht merkt, dass er künftig etwas ändern muss. Ein anderer geht vielleicht ohnehin davon aus, dass die Dinge schief laufen, wenn er sie nicht selbst erledigt und poltert bei der geringsten Abweichung von seinen Erwartungen los. 

 

„Du bist schlampig!“ ist nicht sachlich 

 

Wie geht es denn nun, das richtige Feedback? Eines, das deutlich ist, aber nicht verletzend. Das auch emotional besetzte Themen nicht gleich zum Minenfeld werden lässt, in dem der Vorgesetzte herumtapsen muss. Im Grunde gibt es nur eine einzige Regel, und die heißt: sachlich bleiben. Ach nee, das wussten Sie schon, oder? Allerdings: Unsachliches Feedback wird vom Feedbackgeber oft als durchaus sachlich wahrgenommen.  Die Kunst ist, sich vorher darüber klar zu sein, über welche Sache denn Feedback gegeben werden soll. An dieser Stelle passieren nämlich schon sehr viele Fehler. Es gilt: Feedback im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses, und sei es noch so freundschaftlich, darf ausschließlich über beobachtbare, sichtbare Arbeitsergebnisse gegeben werden. Alles andere hat hier keinen Raum und ist mithin unsachlich. „Du bist schlampig!“ ist kein sachliches Feedback. Und wenn es noch so offensichtlich in der Sache richtig sein mag, kein Arbeitnehmer wird dafür bezahlt, nicht schlampig zu sein. Das ist kein Arbeitsergebnis. Zu beurteilen ist, ob die Arbeit pünktlich und in der vorher besprochenen Form abgegeben wurde. Wenn nicht, was fehlt? 

 

Teeküche gilt nicht 

 

Dabei hilft Freundschaft oder persönliche Nähe nicht immer. Wenn man sich privat gut kennt hat das für die Zusammenarbeit zwar viele Vorteile, aber auch einen entscheidenden Nachteil: man weiß viel voneinander, was für das Arbeitsverhältnis gar nicht relevant ist. Der Mitarbeiter, der in der Teeküche nicht den Mund auseinander kriegt, der beim letzten Netzwerktreffen eine Stunde stumm vor seinem Bier saß, der nie etwas über sich postet oder twittert und beim Feiern nach Feierabend nicht mitmacht kann ein hervorragender Kommunikator im beruflichen Umfeld sein. Beobachtbare, sichtbare Arbeitsergebnisse, hierüber soll Feedback erteilt werden. Nicht über den Klönschnack in der Teeküche oder den pointierten Reisebericht unter Freunden. „Du redest zu wenig“ ist also nur dann ein sachliches Feedback, wenn es sich auf die Kommunikation im Berufsumfeld bezieht und anhand eines beobachteten Arbeitsbeispiels spezifiziert wird. 

 

„Du denkst zu kompliziert.“ 

 

Eine weitere Falle bei nur vermeintlich sachlichem Feedback sind Interpretationen. Auch hier gilt: Sie sind oft gut gemeint und sie mögen stimmen, haben aber im Rahmen von beruflichem Feedback nichts zu suchen. Zudem kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sie Widerstand hervorrufen. Je nach Gegenüber ein trotziges „Selber!“, „Guck Dich mal an!“, „Stimmt ja gar nicht!“, zumindest aber ein „Das kannst Du gar nicht wissen!“. Gerade solche Chefs, die sich viele Gedanken über ihre Mitarbeiter machen, tappen in diese Falle. Ein Arbeitsergebnis wird nicht nur bewertet, sondern es wird in den Kontext zur Person gesetzt. Ein Grund für das mangelhafte Arbeitsergebnis muss her. Dabei ist dieser Grund fast immer eine Interpretation durch den Feedbackgeber. „Du denkst zu kompliziert.“ ist keine Beurteilung eines Ergebnisses, sondern eine Interpretation des Verhaltens des Mitarbeiters. Es ist nicht wichtig, ob sie richtig oder falsch ist, sondern dass sie übergriffig und unsachlich ist. Richtig wäre zum Beispiel: „Dein Text enthält zu viele Abstraktionen. Bitte schreibe ihn noch einmal um und verwende einfachere Begriffe.“ 

 

Sachliches Feedback zu geben ist also gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Aber wichtig, und zwar gerade in einem ungezwungenen, freundschaftlichen Arbeitsverhältnis und in einem kreativen Umfeld. Hier tut unsachliches Feedback besonders weh und der Schaden, den es anrichten kann, ist hoch. Der Feedbackgeber sollte sich die Mühe machen und Arbeitsgespräch und Teeküchenplausch sorgfältig voneinander trennen, inhaltlich wie in der Form. Macht er sich vorher Gedanken, ob sein Feedback wirklich das beobachtbare, sichtbare Arbeitsergebnis betrifft, ob es Interpretationen enthält und ob er ein nachvollziehbares Arbeitsbeispiel parat hat, ist allerdings schon viel gewonnen. 

 

Der Rest, nämlich ein freundlicher, ruhiger Tonfall, die Erwähnung auch positiver Arbeitsergebnisse sowie das Gespräch unter 4 Augen versteht sich ja von selbst.

Please reload

Featured Posts

Was ist eigentlich Augenhöhe?

February 4, 2018

1/10
Please reload

Recent Posts
Please reload

Search By Tags
Follow Us
  • Facebook Classic
  • Twitter Classic
  • Google Classic