© 2014 by LaRenzow       IMPRESSUM    AGB

  • facebook
  • Twitter Round
  • googleplus

Die Kunst, unzufrieden zu sein

September 21, 2015

Wir kriegen ja so allerlei geboten, wenn wir mit unserer beruflichen Situation unzufrieden sind. Wir fühlen uns ausgebrannt? Schnell eine Burn-out-Präventionsmaßnahme ergreifen! Wir haben keine Lust, morgens aufzustehen? Joggen! Pilates! Wir fühlen uns überfordert? Weiterbildung! Gesprächstechniken nachlesen, um mit dem Chef zu sprechen! Der Job nervt? Erstmal die Bewerbungsunterlagen auf Vordermann bringen. Es gab einen Konflikt? Atmen, in den Bauch, schnell!

 

Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Als Coach habe ich jede dieser Maßnahmen schon mehrmals empfohlen, die sind im richtigen Kontext alle wunderbar. Was aber nicht richtig ist, ist die Reaktionsgeschwindigkeit, die wir oft selbst von uns erwarten. Durch den eigentlich wertvollen Trend, sich intensiv mit sich selbst zu befassen und sensibel auf allerlei Merkmale zu hören, haben wir eines fast verlernt: mal eine Weile unzufrieden zu sein. Dahinter liegt meist aber nicht ein verweichlichter Charakter, der beim ersten Windhauch die Mütze ins Gesicht zieht, sondern ganz das Gegenteil: ein völlig überhöhter Anspruch an unsere eigene Problemlösekompetenz.

 

Gehen oder bleiben?

Das führt dazu, dass in einer vielleicht überschaubaren beruflichen Krise ein weiterer Stressfaktor oben drauf kommt, nämlich die Unzufriedenheit mit sich selbst. Schon mehrmals habe ich das in Coaching- oder Beratungssituationen erlebt. Die erfolgreiche Managerin zum Beispiel, der es schon seit einer Weile im Job nicht mehr gut geht, bald ein Jahr. Und immer noch nicht hat sie den Schlüssel zum Glück gefunden. Sie weiß gar nicht, ob sie bleiben oder gehen soll und überhaupt, wie sehen die nächsten 20 Jahre aus? Wenn sie geht, was dann? Das sei für sie das schlimmste daran, sagte sie mir. Dass sie keine Lösung hat. Sie hatte immer Lösungen für alles bisher. Das Leben hatte sie bis hierher stets nach oben, zumindest nach vorne katapultiert. Und jetzt? Stagnation. Unzufriedenheit und kein Masterplan.

 

Das ist schade, aus zwei Gründen: Erstens wird es den meisten von uns nicht gerecht. Wir überfordern und unterschätzen uns mit diesem Drang, alles sofort lösen zu wollen. Wir trauen uns gar nicht zu, eine Krise durchzustehen, womöglich mal einen Moment unglücklich zu sein! Mit Allem, Fressattacken, depressiven Verstimmungen, Tränen, schlechter Laune, abgekauten Fingernägeln, Trägheit, Wut oder einem verspannten Nacken. Wir haben vergessen, dass das in den allermeisten Fällen vorbei geht und wir durchaus stark genug sind, da durch zu gehen.

 

Der zweite Grund ist noch wichtiger. Wenn wir unsere Unzufriedenheit nicht aushalten, werden wir sie nicht verstehen. Und das geht nicht immer so schnell. Das kann man nicht immer heratmen oder krisenintervenieren. Das muss man manchmal eine Weile anschauen. Wenn wir unser Berufsleben tatsächlich gestalten wollen (und das wollen ja zumindest alle ab Generation Y, angeblich), dann brauchen wir die Fähigkeit, eine Weile im Unglück zu verharren. Nur dann können wir wirklich wahrnehmen, wo der Hund begraben liegt. Wo also die Ursache für unsere Unzufriedenheit liegt und was wir daran wir ändern können.

 

Ist uns das einmal gelungen, wirkt so eine Erkenntnis nachhaltig, vielleicht für den Rest unseres Lebens! Nur Mut also, liebe arbeitende Menschen, seid ruhig mal eine Weile unzufrieden. Traut Euch! So lange weder Eure Gesundheit, noch Eure finanzielle Existenz ernsthaft in Gefahr sind, ist alles gut. Nur eines dürfen wir natürlich nicht vergessen: Wenn wir raus haben, was es ist, neue Wege zu gehen.

Please reload

Featured Posts

Was ist eigentlich Augenhöhe?

February 4, 2018

1/10
Please reload

Recent Posts
Please reload

Search By Tags
Follow Us
  • Facebook Classic
  • Twitter Classic
  • Google Classic